Kulturpolitscher Schwerpunkt Film
ERSTE ZAHLUNGSERINNERUNG!

Gemeinsame Pressekonferenz des Verband Filmregie Österreich und Verein Film Austria am 1. Oktober 2007

„Europa und seine Kulturbürokratie versprechen zwar in dieser Causa seit Jahren Reformen, wesentliche Fortschritte bei der Schaffung eines kulturellen Binnen-, Arbeits- und Kreativmarktes kann ich aber noch nicht feststellen. Weitgehend ungelöst sind zudem die steuer- und finanztechnischen und auch die  sozialrechtlichen Fragen, die Künstler zuweilen an den Rand ihrer Existenz bringen können. Es wäre wohl angebrachter, für diese Niederungen Lösungen zu finden, anstatt wieder einmal einen Sound of Europe zu suchen. Europa als kulturelle Sinngemeinschaft braucht auch Arbeitsbedingungen für Künstler und nicht nur den gesellschaftlichen Überbau in Konferenzen mit dem ewig gleichen Publikum professioneller Kulturtouristen.

Ich finde es für höchst bedauerlich, dass wir immer nur den naturwissenschaftlichen brain-drain in die USA öffentlich debattieren. Faktum ist, dass wir jedes Jahr im selben Umfang die Besten aus der Kreativszene verlieren...
Wenn wir aber Kunst und Kultur unter dem Sammelbegriff von „cultural industries“ zusammenfassen, dann wird erkennbar, um welches Potential wir uns fortwährend berauben. Wir verlieren durch engstirniges Denken Kreativität und Wirtschaftlichkeit, denn Kultur ist auch ein Wirtschaftsfaktor...“

Bundeskanzler Gusenbauer  am 10.09.2007 anlässlich der Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst an Robert Dornhelm


Zum Status Quo:

1.)

  1. Das Budget des Österreichischen Filminstituts ist mit 12,1 bzw. 12,5 Mio Euro 2007 und 2008 trotz deutlich gestiegener Produktionskosten am Stand von 1998 (trotz Valorisierung 2007).
  2. Die dem Fernsehförderungsfonds Austria (RTR) zur Verfügung stehenden Mittel (jährlich 7,5 Mio Euro) stagnieren seit dessen Errichtung (2004).
  3. Das Budget des Filmfonds Wien wurde seit 2000 (8 Mio) nicht einmal valorisiert. Den seit Jahren von Wiener Kulturstadtrat versprochene Fernsehfonds Wien gibt es nach wie vor nicht.

Der Marktanteil Kinofilm stagniert auf bescheidenem Niveau. Ohne die dringend nötige Anhebung der Mittel des ÖFI auf mindestens 20 Mio Euro, sowie der Nachwuchsförderung („Filmbeirat“) auf 5 Mio Euro und der Schaffung der Wiener Fernsehförderung zur Entlastung des FFW ist dies auch nicht zu verändern.
Das durchschnittliche Film-Budget in Österreich liegt bei 1,5 Mio Euro pro Film. In Dänemark bei 2,2, Mio Euro, in Frankreich bei 4,99 Mio.
Im Jahr 2005 wurden von insgesamt 32 Filmen nur 6 mit einem Budget über 2,1 Mio Euro produziert. 17 Filme hatten ein Budget von weniger als 800.000 Euro. (Quelle Filmwirtschaftsbericht 2007).
Diese Unterbudgetierung schwächt uns massiv am internationalen Markt und schädigt den Wirtschaftsstandort der Audiovisionsindustrie in Österreich. Viele Kreative wandern ins Ausland ab.

2.)
Daher fordern wir die Regierungsparteien auf zu handeln, um die dringend nötige Anhebung der Förderungsbudgets auf europäisches Niveau und die Professionalisierung der Förderungen selbst zu ermöglichen:

Aus unserer Sicht gibt es dafür mindestens zwei Möglichkeiten:

  1. Die Einhebung einer Verwertungsabgabe (Content-Abgabe) auf alle Verwerter von Film- und Videoproduktionen (Fernsehveranstalter, Kabelfernsehbetreiber, Betreiber digitaler Plattformen, AV-Medien, Kinobesitzer und Verleiher etc.) Wie in Frankreich oder Deutschland sollte eine solche Abgabe vom nationalen Filminstitut (ÖFI) eingehoben werten.
  2. Anhebung der Budgets der Bundes-Filmförderungen aus Haushaltsmitteln..

3.)
Zum ORF:
Mittlerweile werden in Österreich mehr Mittel der Filmförderungen für Fernsehfilm/ Serienförderungen ausgegeben, denn für Kinofilm (Quelle Filmwirtschaftsbericht ÖFI 2007).
Im selben Ausmaß wie die Förderungen der öffentlichen Hand zunahmen, sanken die Investitionen des ORF in die heimische Filmwirtschaft. Fehlende Mittel in der Auftragsproduktion wurden durch öffentliche Mittel substituiert.
Der ORF bekommt seine monatlichen Rundfunkgebühren auch zur Wahrung der nationalen Identität. Diese ist ausschließlich durch die Herstellung von heimischem Programm zu gewährleisten. Zudem erfreut sich dieses der größten Beliebtheit bei der Bevölkerung (die höchsten Quoten). Um jährliche Planungssicherheit und professionelle Projektentwicklung zu gewährleisten fordern wir den Gesetzgeber auf den ORF zu verpflichten, zumindest 25 Prozent seiner jährlichen Gebühreneinnahmen in unabhängige, heimische Produktionen investieren zu müssen (Zweckbindung).

4.)
Wie in anderen Ländern Europas wäre zusätzlich auch die Schaffung von gesetzlichen Möglichkeiten von Tax incentives für die Filmproduktion umzusetzen.

Helmut Grasser/Allegro Film
Veit Heiduschka/Wega Film
Danny Krausz/Dor Film

Barbara Albert/Regisseurin
Andrea Maria Dusl/Regisseurin
Michael Kreihsl/Regisseur
Ruth Mader/Regisseurin
Harald Sicheritz/Regisseur

Wolfgang Böck
Roland Düringer
Josef Hader
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